Historie des NaturTheaters

Vor über 100 Jahren – Die Idee

  • Bild von den Bauarbeiten 1911

    Bauarbeiten im Frühjahr 1911

Nachdem im 19. Jahrhundert Bad Elster vom Weberdorf zum Weltbad emporstiegen ist, war das Königlich Sächsische Staatsbad Bad Elster zu Beginn des 20. Jahrhundert zur Sommerzeit Treffpunkt des Adels und der besseren Gesellschaft aus ganz Europa, welche Konzerte und Theaterveranstaltungen im 1888 erbauten Alberttheater, dem 1890 errichteten Königlichen Kurhaus und in den drei Musikpavillons erlebten. 1911 wurde die Idee geboren, in Bad Elster zusätzlich ein Naturtheater im Stile der Antike zu erbauen.

Dabei spielte der Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe bei der Entstehung des NaturTheaters eine bedeutende Rolle: Am 9. Juli 1911 wurde das Naturtheater nach Plänen des Königlich Sächsischen Gartenbauinspektors Paul Schindel mit einem Goethefestspiel »Hermann und Dorothea«, einem nachgestellten »Emigrantenzug« und anschließender Brunnenweihe feierlich eröffnet.

Hintergrund dieser Eröffnungsveranstaltung war bereits damals die Tatsache, dass Goethe auf einer seiner Karlsbader Reisen am 3. und 4. Juli 1795 in Adorf verweilte. Bis heute ist dabei überliefert, dass in ihm hier möglicherweise die letzten Ideen zu seinem im Jahre 1797 verfassten Epos »Hermann und Dorothea« reiften. So war ihm die aus dem thüringischen stammende Erzählung aus einer Flugschrift des Jahres 1732 bekannt, wonach ein Zug von Salzburger Emigranten 1732 nach Ostpreußen zog. Dabei soll ein gut betuchter Einheimischer eine Emigrantentochter als Braut heimgeführt haben. Da Goethe mit Sicherheit aufgrund seines naturwissenschaftlichen Interesses den wegen seiner Heilkraft berühmten »Sauerbrunnen« aus Elster kennen gelernt hat, geht man im Vogtland davon aus, dass er seine Geschichte in Erinnerung an Elster vollendete und die thüringische Geschichte mit der vogtländischen Landschaft verknüpfte. So schmückt bis heute ein Zitat in diesem Epos die Quelle Bad Elsters »... herrlich Wasser – säuerlich war’s und erquicklich, gesund zu trinken den Menschen«.

Die Anlage wurde dann rechtzeitig fertig gestellt, sodass die Einweihung des Naturtheaters mit dem Festspiel „Herrmann und Dorothea“ programmmäßig am 9. Juli 1911 „… bei ausgesucht schönem Wetter hat stattfinden können.“

Das Goethe-Festspiel

  • Das Festspiel zur Eröffnung am 9. Juli 1911

    Das Festspiel zur Eröffnung am 9. Juli 1911

Aufgrund der oben beschriebenen Historie widmeten sich anlässlich der Eröffnung des Naturtheaters Bad Elster der Kammerrat und Apotheker aus Bad Elster, Carl-August Klingner und der Oberlehrer Walter Dost aus Plauen der Goetheschen Dichtung „Hermann und Dorothea“. Klingner schrieb dazu ein passendes Goethefestspiel und verlegte die Handlung in die Gegend zwischen Adorf und Elster. Dost komponierte dazu die entsprechende Musik.

Eine liebenswürdige Emigrantentochter namens Dorothea betritt in einem großen Emigrantenzug aus Laiendarstellern Adorf und Bad Elsters sowie liebevoll gestalteten Ochsen-, Pferde- und Eselgespannen die Bühne. Sie kümmert sich aufopfernd um Kranke, Alte und Kinder bis zur Erschöpfung. Am Brunnen Elsters, beim Schöpfen des Heilwassers trifft sie auf den Adorfer Hermann, welcher sogleich sein Herz an die liebliche Schöne verliert. Hermann möchte nun Dorothea nach Hause führen, was seinem Vater nun gar nicht Recht ist – es kommt zum Streit. Die Mutter greift hier diplomatisch ein und lässt des Vaters Ratgeber – den Apotheker und den Herrn Pfarrer – den Emigrantenzug besuchen, um Erkundigungen über Dorothea einzuholen. Diese erleben dann auch selbst ergreifend die Anmut, Güte und Reine Dorotheas und können so den Vater umstimmen. Nach einer rührigen Verabschiedung und kleinerer Verwirrungen verlässt so Dorothea den Emigrantenzug und Hermann führt seine große Liebe nach Hause, mit dem Segen der Eltern…

Anschließend formierte man sich mit den 300 Laiendarstellern aus dem ganzen Vogtland und gestaltetet den Salzburger Emigrantenzug nach. Dieser führt dann bis zum Badeplatz führte, wo man dann den neu gestalteten Goethe-Brunnen feierlich enthüllte. Ein großer Festball im Königlichen Kurhaus beendete schließlich glanzvoll diesen feierlichen Eröffnungstag. Im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten besuchte dann auch König Friedrich Augsut III. am 12. Juli 1911 Bad Elster, wo man extra für seine Hoheit den Emigrantenzug noch einmal formierte. Das Festspiel wurde dann weiter erfolgreich in den Sommersaisons der Jahre 1912-1914 im Naturtheater Bad Elster aufgeführt. 

Bis zum „Dornröschenschlaf“…

  • Eines der letzten Konzerte vor dem
"Dornröschenschlaf" um 1950

    Eines der letzten Konzerte vor dem
    "Dornröschenschlaf" um 1950

Am 5. August 1917 fand mit Julius Mosens Drama "Heinrich der Finkler, König der Deutschen" im Naturtheater Bad Elster eine weitere Uraufführung statt. Dieses Drama fand auf Initiative und unter der Leitung von Paul Medenwaldt statt, der Oberspielleiter des Fürstlichen Hoftheaters und der Hofkapelle zu Gera Reuß war. Es entstand 1834 in Kohren-Sahlis und widmet sich der Geschichte um Heinrich den I. (876 - 936), dem so genannten Sachsenherzog der 919 König wurde und als Gründer des deutschen Reiches gilt. Am 19.8.1917 gab es eine weitere Aufführung von "Heinrich dem Finkler" in Bad Elster. Eine dritte Vorstellung mußte abgesagt werden, da das mitspielende Militär nicht mehr zur Verfügung stand. 

In den Jahren bis 1945 fanden dann in den Sommermonaten bei schönem Wetter regelmäßig verschiedene Veranstaltungen im Naturtheater statt, so wurden beispielsweise im Jahr 1929 sehr erfolgreich die „Hans-Sachs-Spiele“ aufgeführt. Nach einem Umbau der Bühne wurde eigentlich das Naturtheater bereits im Jahr 1939 mit Franz von Suppé’s Operette „Dichter und Bauer“ schon einmal wiedereröffnet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde 1951 u.a. die Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss aufgeführt, die letzte Darbietung fand dann schließlich am 24. August 1952 mit dem Gesangschor des staatlichen Volkskunst-Ensembles der DDR statt. Danach wurde die Anlage dem Verfall preisgegeben und der schöne historische Musikpavillon aus dem 19. Jahrhundert diente zuletzt von 1960 bis 1985 als Heulager für ein Damhirschgehege.

Die Wiederbelebung: Die neue Lichtung der Kultur im Waldpark

  • Konzertimpression

    Konzertimpression

Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde im Jahre 1994 mit einer Restaurierung der Anlage „Naturtheater Bad Elster“ begonnen. So konnte der Musikpavillon an der Waldquelle bereits 1995 in altem Glanz erstrahlen. Anfang des neuen Jahrtausends fanden dann unter Federführung der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft schon wieder einige Konzerte, erste Kinonächte und Liveübertragungen der Fußball Weltmeisterschaft 2002 statt.

Im Jahre 2006 wurde dann von der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft und der Stadt Bad Elster das Projekt »Revitalisierung NaturTheater Bad Elster« mit Unterstützung der EU, des Freistaates Sachsen, des Kulturraumes Vogtland und Sponsoren zeitgemäß geplant, um diese historische Spielstätte an heutige Veranstaltungserfordernisse anzupassen und das NaturTheater Bad Elster - das älteste Naturtheater Sachsens - als weiteren Publikumsmagnet auf der »Festspielmeile der kurzen Wege« in der Kultur- und Festspielstadt, zum Wohle der Bewohner und Gäste Sachsens und der Euregio Egrensis, wiederzubeleben.

Mitte 2006 wurde dann mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Die Kosten beliefen sich auf rund eine Million Euro, wobei rund 60 Prozent aus Mitteln der EU finanziert wurden. Der Restbetrag wurde von der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft Betreiber, dem Kulturraum Vogtland und von Sponsoren in die Finanzierung eingebracht. Entstanden ist so neben der Komplettsanierung des Zuschauerbereichs mit rund 1.100 neuen Sitzplätzen und einer Tribüne vor allem ein richtiges Bühnenhaus mit Theaterkasse, Garderoben, Backstagebereich und Orchestergraben.